Klare Sicht voraus!

Dieser Artikel erschien erstmals 2008 auf Sehrbrock.org, nun auch hier auf Webrock-Foto.de; er hat nichts an Aktualität verloren. Alle beschriebenen Vorgehensweisen sind auch heute noch aktuell, inklusive dem Fazit.
Aber lest selbst:

Guten Tag zusammen,
oder sollte ich lieber sagen „Schlechten Tag!“??? – Noch bin ich mir nicht sicher…

 Was passiert ist wollt Ihr wissen? Ich habe den Sensor meiner D50 heute gereinigt – NASS!!

Alles fing damit an, dass ich auf einigen meiner Makro-Fotografien, die ja mit sehr kleiner Blende (f=16-22) aufgenommen werden, Flecken gesehen habe.

Das geht natürlich gar nicht! Ich bin ja eher ein Bildbearbeitungsmuffel und habe daher nicht die Lust, Flecken einfach wegzustempeln, zu klonen etc.

Also habe ich mich einige Tage lang mit Reinigungsmöglichkeiten für den Sensor einer digitalen Spiegelreflexkamera beschäftigt.
Dann ging ich frohen Mutes an die Reinigung selbst.

Grundsätzlich wusste ich wohl, dass mein Sensor mittlerweile unter einer Staubschicht begraben liegt (bei täglich mehrfachem Objektivwechsel, auch unter ungünstigen Bedingungen kein Wunder), aber bislang stört mich das relativ wenig… Bis jetzt…

 Zuerst ging ich in den Fotoladen meines Vertrauens – dort pustet man mir gerne den Sensor kostenfrei aus – die beiden störenden Partikel blieben aber – Blütenstaub, Pollen oder sonst irgendetwas Klebriges; vielleicht habe ich auch mal zu feste in die Kamera gepustet und ein bisschen Spucke ist… na ja ist ja auch egal – Flecken sind und bleiben Flecken.

Die Nassreinigung, die der Fotoladen sonst für 25€ (!!) anbietet war aber an diesem Tag nicht möglich.

Ich habe also in den letzten Tagen das Internet nach Anleitungen zur Nassreinigung durchsucht.
Neben so mancher Panikmache von Menschen, die ihre Objektive ausschließlich in Reinräumen zu wechseln pflegen und Menschen, die sich extra Zweit- und Drittgehäuse zulegen um keine Objektive mehr wechseln zu müssen, fand ich auch einige gut recherchierte, Mutmachende und informative Seiten:

http://www.markus-dollinger.de/2007/05/20/sensorreinigung-bei-dslr-kameras/
http://www.geith-online.de/fotografie/tools/sensorcleaning/sensorcleaning.htm

http://www.ffsf.de/showthread.php?t=1814&page=2

Eine Klistierspritze in Größe 7 (145ml – Talkumfrei) habe ich bereits – damit kann man den Sensor hervorragend abpusten… Reichte aber diesmal nicht.

Also ab in die Apotheke mit folgender Einkaufsliste:
Isopropanol, hochrein 10ml in Pipettenflasche
Q-Tips aus Baumwolle

Zu meinem Glück brauchte ich nur die Q-Tips für knapp einen Euro bezahlen, den Rest bekam ich geschenkt… 😉
Zu Hause angekommen probierte ich mein „Reinigungsset“ an einem alten UV-Filter aus und merkte, dass es gut war das „Reinigungsset“ zu testen.
Man braucht schon ein bisschen Übung, um die richtige Menge Isopropanol am Wattestäbchen herauszufinden, damit das Ganze nicht schliert…
Ach ja: Von wegen „Isopropanol verdunstet Rückstandsfrei!“
Nimmt man zu wenig Isopropanol, reibt man mit dem trockenen Stäbchen über das Glas, nimmt man zuviel, bilden sich bei der Bewegung des Stäbchens Tropfen, die dann eben nicht rückstandsfrei verdunsten.

Mein erstes Erfolgserlebnis: Gut, dass ich am Filter trainiert habe! Nicht auszudenken, dies wäre auf meinem Sensor passiert!

Nun traute ich mir aber zu, auch an den Sensor zu gehen…
Ich kann Euch sagen – ein wirklich einmaliges Gefühl beim ersten Mal!
Also: Wattestäbchen genommen, 3Tropfen Isopropanol drauf und VORSICHTIG an den Sensor – nur eine Reihe pro Wartestäbchen, neues Wattestäbchen mit Isopropanol, nächste Reihe…
Knapp zehn Wattestäbchen später hatte ich es geschafft!!
Die erste Nassreinigung meines Sensor war ohne große Unfälle gelungen, schnell noch das Kontrollbild geschossen und:
VERDAMMT!
Ausgerechnet die beiden Flecken, die mich gestört haben sind noch da!
Jetzt mit mehr Mut zum Risiko noch mal den Sensor attackiert!
Diesmal war ich wohl zu mutig, Folge waren viele viele Schlieren auf dem Sensor – ich habe also zuviel Isopropanol genommen!
Durch meine Tests am UV-Filter wusste ich aber, mit ein bis zwei Tropfen Isopropanol auf einem Wattestäbchen geht das wieder weg!
Es dauerte zwar ein wenig, nun ist der Sensor aber (bis auf ein wenig Schlier in den Ecken, wo die Wattestäbchen nicht hinkommen) supersauber – na ja – und bis auf die zwei Flecken, die von Anfang an da waren… Aaaargh!

Fazit bis hierher:
Die Reinigung eines Sensors mit Q-Tipps und Isopropanol ist aus meiner Sicht grundsätzlich zu empfehlen – falsch machen kann man da fast nichts, vor allem, da der aus Glas bestehende und vor dem Sensor liegende Tiefpassfilter das schlimmste verhindert.
Allerdings scheinen meine Flecken mehr zu sein, als ein bisschen hartnäckiger Staub…
Ich habe mir nun die „VisibleDust Ultra-MXD Vswabs 1.6x Green Series“ und die Reinigungsflüssigkeit „Visible Dust Smear Away“ bestellt. Kostet zusammen etwa 50€ und reicht wohl für knapp zehn Anwendungen.

In „meinem“ Fotoladen benutzen sie das gleiche Zeug – allerdings zahlt man hier den Arbeitslohn mit…
Wenn diese Reinigungsutensilien eintreffen reinige ich weiter – mal schauen, was mit den beiden Flecken passiert…
Mut habe ich ja jetzt! 😉

 (…Tage später…)

Heute ist das Paket mit den Komponenten „Smear Away“ (Reinigungsflüssigkeit und den „Visible Dust Sensor Cleaning Swabs“ (Reinigungsstäbchen) von „VisibleDust“ eingetroffen.
Ich habe die Anleitung befolgt und zwei bis vier (ich nehme natürlich vier) Tropfen der Reinigungsflüssigkeit auf einen der Swabs getan, kurz gewartet bis das Teil durchgeweicht ist und ab dafür an den Sensor.
Der erste Eindruck ist gut (gewesen)…
Die Swabs für Sensoren mit einem Crop-Faktor von 1,6X passen gut auf den Sensor meiner D50.
Tatsächlich fühlt es sich auch alles sehr „leichtgängig“ an, will sagen, dass die Swabs gut über den Sensor gleiten.
Also, einmal drüberstreichen – warten bis der Sensor trocknet – dabei helfe ich mit pusten leicht nach.
Aaaarrrrrgh – Schlierenbildung!!!!
Also fix die andere Seite des Swabs mit zwei Tropfen Reinigungsflüssigkeit benetzt, kurz gewartet und noch mal über den Sensor – Übung habe ich ja jetzt genug!
Diesmal lasse ich alles ohne zu Pusten trocknen – und siehe da: Keine Schlieren!
Der Sensor scheint supersauber zu sein!
Schnell mache ich mehrere Testfotos und habe nun die Gewissheit:
1.: Die „groben“ Flecken sind weg!
2.: Keine Schlieren, keine Unschärfen!
3.: Wenige kleinere Verunreinigungen sind geblieben – teilweise aber nicht an der Stelle an der sie waren, sind also auf dem Sensor meiner SLR „verschoben“ worden. Diese Verunreinigungen sind aber nur bei Abblendung von f=16 und kleiner zu bemerken – auf weißem Hintergrund. In der „realen Fotografie“ spielen die wohl keine Rolle!

Fazit:
Auch wenn der Preis doch beachtlich ist (circa 50€ für zwölf Swabs & Flüssigkeit = circa 5€ pro Anwendung), sind die „Sensor Swabs“ in Verbindung mit der Reinigungsflüssigkeit „Smear Away“ von „Visible Dust“ die beste Methode (die ich getestet habe) um einen verschmutzten Sensor zu reinigen.
Allerdings haben auch Q-Tips und Isopropanol ihre Berechtigung – nicht zuletzt auf Grund des unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnisses.
Wer es supersicher haben möchte hat zwei Möglichkeiten:
a) Für jedes Objektiv einen eigenen Kamera-Body und nie mehr wechseln! (ab circa 500€ pro Kamera-Body)
b) Reinigung durch die Fachwerkstatt (ab 25€)

Auch in Zukunft werde ich mein Kameragehäuse regelmäßig auspusten oder im Fotoladen auspusten lassen. Vor einer Nassreinigung des Sensors habe ich aber keine Angst mehr – nur noch den nötigen Respekt.
Isopropanol, Q-Tips, „Smear Away“ und die „Sensor Cleaning Swabs“ sind auf jeden Fall fester Bestandteil meiner Kameraausrüstung geworden!

Auf eine streifen- und fleckenfreie Zukunft!

Euer Georg

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