Nikon D80 – Dunkelrauschen

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Januar 2010 auf Sehrbrock.org unter dem Namen „Die Nikon D80 und deren Zickereien“ , ab jetzt ist er hier exklusiv zu lesen!

Nun besitze ich meine Nikon D80 seit über einem Jahr und habe in der Zeit etwa 11.000 (!!!) Fotografien gemacht.
Natürlich waren eine Menge Nacht-Fotografien dabei und immer wieder musste ich feststellen, dass ich einen hellen, lilafarbenen Schleier in den beiden oberen (Querformat) Bildecken bemerken konnte.
Dieser auffallende Schleier war reproduzierbar, also auch ohne seitlich einfallendes Licht vorhanden.
Um das zu testen habe ich die Kamera in eine Dunkelkammer gelegt und dort länger als fünf Minuten belichtet… -> Schleier da.
Kurz vor Ablauf der Garantie habe ich mich entschlossen die Kamera zu Nikon einzusenden zwecks Reklamation. Der Foto-Fachhändler meines Vertrauens sah ebenfalls einen Sensordefekt als Ursache an.
Aber nach nur 3 Wochen kam meine geliebte Nikon D80 unrepariert mit der Bemerkung:
„Gesamtprüfung erfolgte. Keine Fehlfunktion festgestellt. Bitte beachten Sie den beigefügten Hinweis.“

Hierbei handelte es sich um einen Ausdruck eines Artikels der Internetseite von Nikon zu den Themen „Dunkelrauschen“ und „Colour Blooming“
http://nikoneurope-de.custhelp.com/app/answers/detail/a_id/1625


„Colour Blooming“ durch elektrische Komponenten

Fotografen die Langzeitaufnahmen von sehr dunklen Motiven realisieren wollen, treffen oft auf ein weiteres Phänomen, das Farb-Blooming (Colour-Blooming). Dieses tritt meist durch Erhitzung der CDD durch stark Hitze absonderende elektronische Komponenten auf, z.B. Hitze von Spannungswandlern in der Kamera. Der Effekt ist am Beispiel der Astro-Aufnahme unten (Abbildung 2) gut zu erkennen. Die Lage des Farb-Bloomings ist abhängig von der Konstruktion der Kamera und der Lage der Hitze absondernden Komponenten im Kameragehäuse.

Das Bild der D100 (siehe Abbildung 2) zeigt genau diese durch Wärme herbeigeführten Artefakte nach einer 10-minütigen Belichtung. Diese Form des Rauschens wird mit dem Dauergebrauch der Kamera immer stärker, da sich die elektrischen Komponenten durch den stetigen Gerbauch stärker erwärmen als bei normalen Anwendungen und dementsprechend mehr Wärme wieder abgeben. Am besten gibt man den Kamerakomponenten zwischen zwie Langzeitbelichtungen 4-5 Minuten um abzukühlen (auch wenn man eventuell von der Außenseite des Gehäuses aus keine Temperaturänderung feststellen kann). Nichts desto trotz kann nach einer längeren Folge von Bildern die auf diese Art und Weise belichtet wurden ein Rauscheffekt wie oben beschrieben auftreten.

Na, was für ein Hammer!!! Da vergleichen die meine D80 mit einer deutlich älteren Kamera, der D100, und wollen mir dann weismachen ich müsste längere Pausen zwischen den Fotos einhalten? Unverschämtheit!…..

Dachte ich zumindest….

Nach diversen Test-Fotografien in der Dunkelkammer, als NEF (Nikon-Eigenes RAW-Format), als JPEG, beides zusammen, in unterschiedlichen Qualitäten schaltete ich irgendwann auch die RAUSCHunterdrückung ein. Diese Funktion mit dem Namen „Langzeitbelichtung“ soll Dunkelrauschen (Siehe oben verlinkte Nikon-Antwort) verhindern.
Da an der D80 bei ISO 100 (meiner Standardeinstellung für Langzeitbelichtungen) keinerlei Dunkelrauschen ersichtlich ist, auch nicht nach 30 Minuten, habe ich die Funktion irgendwann einmal deaktiviert, da diese Funktion teilweise zu leichten Unschärfen im Bild führen KANN, nicht muss.
Also: Funktion eingeschaltet und weg war der lilafarbene Schleier!
Das war jetzt aber echt ein Hammer!
Nicht nur, dass ich anscheinend zu doof war, auch mein Foto-Fachhändler und Nikon Deutschland sind nicht auf die Idee gekommen, dass es damit zusammen hängen könnte.
Aber gut, nun ist der fehler wenigstens „behoben“.

Apopros „zusammen hängen“:
Während ich am testen und am Langzeitbelichten war, fiel mir ein kleiner aber interessanter Aspekt bei den Langzeitbelichtungen auf.
Im Handbuch zur D80 steht zur längstmöglichen Belichtungszeit folgendes:
„Belichtungszeit „Bulb“

Der Verschluss bleibt so lange geöffnet, wie der Auslöser gedrückt gehalten wird.

Separat erhältlich Fernbedienung ML-L3 notwendig. Wählen Sie die Betriebsart »M«, stellen

Sie für die Belichtungszeit »Bulb« ein und wählen Sie anschließend den Fernauslöser mit Vorlaufzeit oder den Fernauslöser aus. Der Verschluss wird geöffnet, wenn der Auslöser an der Fernsteuerung gedrückt wird bzw. bis die Taste ein zweites Mal gedrückt wird oder 30 Minuten lang geöffnet bleibt.“

Ganz klar: längstmögliche Belichtungszeit sind 30 Minuten, so war es an meiner Nikon D50 auch immer: Auslösen mit der Infrarotfernbedienung und nach 30 Minuten beendet die Kamera selbstständig die Aufnahme.
Nur habe ich jetzt für die D80 die Kabelfernbedienung MC-DC1, hier stellt man den Auslöseknopf fest…
Während der Testaufnahmen bemerkter ich also, dass die Kamera nicht nach 30 Minuten die Belichtung beendet, sondern weiter belichtet und belichtet und belichtet und belichtet….
Also: Batteriegriff drunter, beide Akkus frisch und voll geladen eingesetzt und belichtet, bis die Kamera aufgibt…
Das war nach laut EXIF-Daten nach 6553,5 Sekunden, also nach109 Minuten und 13,5 Sekunden, oder nach 1:49:13,5 Stunden der Fall.
Danach begann die etwa eine Stunde andauernde Rauschunterdrückung, die wegen leerer Akkus nicht zu Ende geführt werden konnte…
Ein weiterer Hammer! So lange belichten!!!

Demnächst werde ich mich mal an die längstmögliche Belichtungszeit MIT Rauschunterdrückung herantasten, ich denke, die liegt etwa bei 90 Minuten – ich bin schon sehr gespannt!

So drehte sich mein Unglück eines „defekten“ Sensors zu der glücklichen Erkenntnis, dass meine Kamera, die Nikon D80 ein Langzeitbelichtungsmonster ist!

Viele Grüße
Georg

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