ISO – Der richtige Umgang damit…

Bevor ich Euch erkläre, wie Ihr bei Euren Kameras mit den ISO-Einstellungen, richtiger den ISO-Geschwindigkeiten jonglieren könnt und warum Ihr dies tun solltet, möchte ich Euch gerne eine kleine Einführung in die Geschichte und Entstehung des Begriffes „ISO“ geben.
Der Begriff ISO ist synonym mit der früher benutzten Begrifflichkeit ASA (American Standards Association). 1940 führte eben diese ASA eine Norm ein, mit der ein definiertes Verfahren zur Ermittlung der Empfindlichkeit von Schwarzweißnegativfilmen möglich war.
1960 wurde dieser Standard stark geändert, auf die heutige Bedeutung. 1987 wurde der Name in ISO geändert. ISO und ASA-Norm verlaufen linear, bedeutet, dass ein Film mit ISO oder ASA 200 doppelt so empfindlich ist, wie ein Film mit ISO oder ASA 100.
Eine noch ältere Filmempfindlichkeitseinteilung beruht auf DIN, benannt nach der DIN4512 aus dem Jahre 1934. Hier spare ich mir eine Erklärung, wer das noch genauer wissen möchte mag dies unter http://de.wikipedia.org/wiki/Filmempfindlichkeit nachlesen.

Wichtig ist, dass sich ein Großteil des analog verfügbaren Filmmaterials zwischen ISO 100 und ISO 1600 bewegte. Farbfilme (Fuji New Superia 1600) gab es mit höherer Empfindlichkeit gar nicht, Schwarzweissfilme konnten bis ISO 6400 gekauft werden. Heute ist „nur noch“ zwei 3200er Filme – der Ilford Delta 3200  und der  Kodak Tmax P3200 erhältlich.
Filmmaterial über Geschwindigkeiten von ISO 800 wurde in aller Regel nur von Profis gekauft, da hier zwingend Handabzüge nötig waren, um das Filmkorn halbwegs in den Griff zu bekommen.
Mit der Lichtempfindlichkeit steigt beim Film die Neigung zur Falschfarbdarstellung (wie auch bei Digitalkameras), der Kontrastumpfang des Filmmaterials  sank (wie auch in der digitalen Welt) und die Körnung des Films wurde größer (Pendant zum Bildrauschen).

Wenn man bedenkt, dass man heute bei modernen digitalen Spiegelreflexkameras die ISO-Geschwindigkeit zwischen ISO 50 und ISO 6400, bei ganz neuen Modellen bis zu ISO 25.600, bei Profikameras (Nikon D4) gar bis ISO 204.800, einstellen kann, sieht man schnell, dass die digitalen Medien in diesem Bereich dem analogen Medium davongeeilt sind. Dazu kommt, dass man die ISO-Geschwindigkeit für jedes einzelne Bild stufenlos einstellen kann. Früher war man für die Anzahl der Bilder auf einem Film auf die ISO-Geschwindigkeit festgelegt. Zwischenschritte bei der Filmempfindlichkeit gab es kaum, immer nur ganze (400-800-1600 usw.) Blendenstufen. Heute kann man ISO 460, 500, 640 benutzen…

In analoger Zeit wurde das bei hochempfindlichen Filmen sichtbare Filmkorn als Stilmittel eingesetzt. Das Pendant ist das digitale Rauschen -> kein Stilmittel, sondern technischer Fehler. Gehört immer und überall eliminiert! … So jedenfalls die allgemeine Meinung.
Ähnlich wie das Filmkorn ist das Rauschen sozusagen aber eine technische Notwendigkeit. Lässt sich reduzieren, aber nie ganz eliminieren. Man lebt also besser damit… 😉

Führen wir uns also noch einmal ein paar Fakten vor Augen:
Filmempfindlichkeit analog: ISO 100 bis ISO 1600, selten bis 3200 (nur SW)
Filmempfindlichkeit digital: ISO 50 bis ISO 6400, selten bis 25.600, sehr selten darüber hinaus

Filmkorn analog: Stilmittel
Bildrauschen digital: Störfaktor (?)

Wechsel der ISO-Geschwindigkeit:
Analog: einmal pro Film
Digital: Bild für Bild mit Zwischenschritten in der ISO-Geschwindigkeit

Sieht man sich diese Fakten an, kann man sich aus meiner Sicht beruhigt zurücklehnen. Auch in den 60ern, 70ern und 80ern sind hervorragende Foto gemacht worden. Analog! Mit den damals vorhandenen Möglichkeiten. Es gibt Konzertfotos, Sportfotos, Hochzeitsfotos, Portraits … alles in Spitzenqualität, alles mit den Mitteln, die ich oben beschrieben habe.

Bei modernen Digitalkameras (Jünger als 2008) kann man aus meiner Sicht locker bis ISO 1600 gehen, bei noch jüngeren (nach 2010) bis ISO 3200, bei aktuellen Modellen (alles ab Anfang 2012) ist ISO 6400 kein Problem.
Eine polarisierende Behauptung, ist mir schon klar…

Trotzdem! Ein verwackeltes Bild ist häufig schlechter, als eins mit Bildrauschen. Fotografiert man Bewegung, ist es wichtig diese einzufrieren (von gewollten Effekten wie Bewegungsunschärfe etc. abgesehen). Verwacklung zerstört da das Bild.

Heutige RAW-Konverter bieten darüberhinaus hervorragende Möglichkeiten zum Entrauschen, nutzt sie!

Zuletzt: Nehmt die 100%-Ansicht nicht so ernst! Unter http://webrock-foto.de/geht-fotografieren/ schrieb ich unlängst: „Die 100%-Ansicht eines Bildes aus einer Kamera mit 36 MP entpricht der Größe eines  ausbelichteten Bilder von 90x60cm bei 200 Dpi! Die Diagonale ist hier etwa 110cm lang, der “perfekte” Betrachtungsabstand (je nachdem wem man glaubt) liegt demnach bei 180cm bis 330cm.“
Die Ansicht in Bildschirmgröße reicht für eine „faire“ Rauschbeurteilung also vollkommen aus!

Also: ISO rauf! Es lohnt sich.

Hier noch ein paar Beispielbilder mit hohen ISO-Geschwindigkeiten:

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