Ich seh‘ den Sternenhimmel…

Heute möchte ich Dich mit einem kleinen „Making of“ beglücken.

Es handelt sich um eine Ultralangzeitaufnahme. Ultralangzeit? Was meint Georg damit?
Dazu muss ich etwas weiter ausholen:

Gehe ich davon aus, dass Du eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) besitzt. Dann kann die Belichtungsautomatik Deiner Kamera bis 30 Sekunden selbstständig korrekt belichten. Im manuellen Modus kannst Du unter Umständen mit Hilfe einer arretierbaren Fernbedienung bis zu 30 Minuten belichten, hast Du eine Hochwertige DSLR sind sogar 60 oder 90 Minuten möglich.
Soweit keine Zauberei, gäbe es nicht zwei winzige Probleme:
1.: Bei sehr langen Belichtungszeiten kommt auch eine Menge Licht auf den Sensor (was ja auch eigentlich gewollt ist), was dazu führt, dass man selbst kohlrabenschwarze Nächte überbelichten kann. Ja wirklich! Von den so aufgenommenen Sternen sieht man dann nichts, da der Rest des Himmels zu hell ist. Von Lichtern einer Stadt am Horizont, oder einer Straße im Bildvordergrund mag ich gar nicht erst erzählen.
2.: Digitale Sensoren neigen mit längerer Belichtungszeit zum stärkeren Rauschen, dies ist ein Effekt der durch die Erwärmung des Sensors auftritt. Die Erwärmung des Sensors geschieht dadurch, dass er durchgängig bestromt wird. Bei einigen Kameras gibt das ganz unschöne Fehler -> Siehe den Artikel „D80 und deren Zickereien“ auf meiner Seite Sehrbrock.org.

Du fragst Dich sicher, warum ich überhaupt so lange belichten möchte? Ganz einfach:
Alle Sterne am Firmament stehen still, die Erde aber dreht sich um ihre eigene Achse. Die Verlängerung dieser Drehachse ist der Nordstern. Für uns auf der Erde erscheint es also, als ob sich alle Sterne um diesen Nordstern drehten.
Belichtet man nun ein Foto lange genug, so kann man diese Sternenstreifen (Starttrails) auf dem Foto sehen. Je länger man belichtet, umso länger die Sternenspuren.

Um all den oben genannten Problemen ein Schnippchen zu schlagen gibt es eine relativ einfache Lösung:
Die Software „Startrails.exe„, die Achim Schaller geschrieben hat und umsonst zum Download bereitstellt.

Die Software setzt aus kürzer belichteten (z.B. 30 Sekunden) Aufnahmen die gut erkennbaren Sternenlichter zusammen, ohne dass es zu Überstrahlungen durch eine zu lange Belichtung kommt.
Man kann auch später einzelne Aufnahmen aus der Belichtungsreihe nehmen, wenn einem zum Beispiel ein Auto in die Linse geleuchtet hat, hierbei entstehen natürlich kleine Lücken in den Sternenschweifen, die fallen aber nachher kaum noch auf.
Weiter ist es so möglich, ziemlich früh am Abend mit den Aufnahmen anzufangen und sich nachher die Aufnahme herauszusuchen, die einem das perfekte Ambiente für eine Sternenschweifaufnahme bietet.

Startrails in den Rieselfeldern in Münster
Startrails in den Rieselfeldern in Münster

So sind theoretisch und praktisch mehrere Stunden lange Belichtungen möglich. Das in dem Artikel gezeigte Bild habe ich in einer Sternenklaren Nacht in den Rieselfeldern in Münster aufgenommen.
Unterwegs war ich mit Thomas, Christian Proske und Peter Leyendecker.
Die Fotografie wurde mit einer Nikon D80 mit einem Sigma 10-20mm – 4-5,6 EX DC HSM bei 10mm Brennweite aufgenommen.
Es besteht aus 305 Bildern mit je 30 Sekunden Belichtungszeit, das Ganze bei ISO 200 und f/4.
So entsteht im Rechner ein Foto mit einer Gesamtbelichtungszeit von 152,5 Minuten, das sind 2:32,5 Stunden!!

Wie ist Deine Meinung?
Ist „soviel“ Bearbeitung erlaubt?
Oder ist das zuviel des Guten?

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Ich seh‘ den Sternenhimmel…

  1. Ich verstehe diese Fragen nicht !!
    Es ist erlaubt, was einen Spaß macht. Wenn du das toll findest (mir gefällt es extrem gut!), dann muss man doch nicht nachfragen.
    Früher hat man in den Dunkelkammer manipuliert. Heute am PC
    Manche übertreiben es (siehe HDR), aber dann ist es immer noch deren Entscheidung, woran sie Spaß haben.
    Und ehrlich, viele Kritiker sind nur dagegen, weil sie keine BEA beherrschen oder für die Software zu geizig sind!

    LG
    Norbert

  2. Pingback: Ich seh’ den Sternenhimmel… II | WebRock-Foto.de

  3. Claas sagt:

    „Ist “soviel” Bearbeitung erlaubt?
    Oder ist das zuviel des Guten?“

    Zum ersten…Ich denke Ja und das zweite…Niemalsnicht 😉

    Langzeitaufnahmen haben ihren Reiz, und jeder für sich sollte sich
    mit dem Bereich der Fotografie beschäftigen, in dem er meint Spaß zu haben.
    Ich, für meine Teil, liebe Langzeitbelichtungen 😀

    Und zum Thema Bearbeitung…wenn man einfach die Bilder übereinander legt, damit man das Rauschen reduziert, dann ist das für mich persönlich ok….

    Beste Grüsse
    Claas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Löse die Aufgabe um den Kommentar freizuschalten! (Sicherheitscode) * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.