Bei den Kanalarbeitern…

Alleine für diese Überschrift bekommen wir sicherlich reichlich Ärger!
Zu Recht!
„Kanalarbeiter“ trifft nicht im Ansatz, was die Profis in unserem Entwässerungssystem leisten!
Die Abwasserbetriebe der Stadt Dortmund luden uns ein, ein Teilstück des über 1900km langen Netzes Abwassernetzes aus der Nähe, sprich von unten, zu besichtigen und mehr über das damit verbundene Berufsbild kennzulernen.
Wir trafen zur verabredeten Zeit auf dem Gelände der Abwasserbetriebe ein. Zuerst mussten wir an einer Sicherheitsbelehrung teilnehmen. Im Abwassersystem kann es nämlich zu Ansammlungen von für den Menschen giftigen Faulgasen kommen. Ohne Gasdetektor und ohne Selbstretter betritt kein Mitabeiter der Dortmunder Abwasserbetriebe einen Schacht, der in die Unterwelt unter Dortmund führt.

Mit Bullis der Stadt Dortmund wurden wir dann zu unserer ersten „Einsatzstelle“ gefahren. Hier hatten zwei Mitarbeiter der Stadtbetriebe bereits alles vorbereitet. Wir zogen unsere Hygiene-Schutzanzüge an und wurden zur Sicherheit angeseilt bevor wir uns an den Abstieg machten. Im Rohr angekommen legten wir unsere Selbstretter inklusive Druckluftflasche an und machten uns auf den Weg durch das Dunkel.

Es roch nach….
Schaumbad!! Ohne Quatsch, natürlich roch man auch andere, unappetitlichere Dinge menschlichen Seins, aber insgesamt war es „angenehmer“ als wir befürchtet hatten.
Hier im Rohr sahen wir die Zuleitungen  aus den einzelnen Häuser, fanden eine tote Ratte, veranlassten eine lebendige Ratte zur Flucht und liefen einige hundert Meter, bis wir auf ein etwa 100 Jahre altes, gemauertes Kanalisationsrohr stießen. Mit einem Durchmesser von etwa 160cm ist es immerhin noch viermal so groß wie ein durchschnittliches Dortmunder Kanalrohr (30-40cm), aber trotzdem war hier unsere Tour vorerst zu Ende. Wir gingen die drei Haltungen (Haltung = Strecke zwischen zwei Kanal-Deckeln) zurück und Dank der oben auf uns wartenden Mitarbeiter kamen wir auch unbeschadet wieder ans Tageslicht.

Wir fuhren weiter und hatten die Gelegenheit die das Pumpwerk Jungferntal zu besichtigen.
Unglaublich! Die Größe der Anlage und die Technik, die sich hinter dem unscheinbaren Gebäude bis tief unter die Erde erstreckt verschlugen uns den Atem!

1966 von der RAG erbaut wurde das Pumpwerk Jungferntal 1996 von der Stadt Dortmund übernommen.
Das Abwasser wird hier um sieben Meter gehoben, 2.100 Anwohner sind an das Pumpwerk angeschlossen.
Durchschnittlich fördert die Anlage 1607m³. Pro Tag!
Die Trockenwetterpumpen haben eine Förderleistung von 115l/s – das enstpricht einer gefüllten Badewanne pro Sekunde.
Die Regenwetterpumpen fördern sogar 420l/s.

Sollte die Pumpleistung nicht ausreichen, steht als Pufferspeicher ein unterirdisches Regenrückhaltebecken zur Verfügung. Das Volumen dieses Beckens beträgt 2010m³. Gigantisch!
Das Regenrückhaltebecken hat einen Durchmesser von 21,44 Meter und ist fast 10 Meter hoch. Insgesamt befinden sich im Pumpwerk Jungferntal 3520m³ umbauter Raum.
Das Einzugsgebiet des Pumpwerks umfasst insgesamt 91 Haltungen mit einer Gesamtlänge von 3653 Metern.
Im Regenrückhaltebecken des Pumpwerkes Jungferntal wurden uns die Dimensionen erst richtig bewusst!

Bevor ich das hier aber in staunende Worte fasse, lasse ich lieber die Bilder sprechen!

Danke an Alle, die uns dieses einmalige Erlebnis ermöglicht haben!

Übrigens: Es gibt keine Kanalarbeiter! Die Mitarbeiter der Dortmunder Abwasserbetriebe sind ein multiprofessionelles Team, das sich aus erfahrenen Handwerkern, Technikern
und Ingenieuren der verschiedensten Gewerke zusammensetzt.
Darüber hinaus ist es möglich den Beruf „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ in einer dreijährigen Ausbildung zu erlernen. Später kann man hier sogar seinen Meister machen.
Ein Beruf, der im Alltag augenscheinlich Spaß macht. Wir hatten diesen Eindruck auf jeden Fall. Darüber hinaus ist der Beruf in zweifacher Hinsicht sicher:
Die Sicherheit der Mitarbeiter steht immer an erster Stelle.
Auch in Zukunft wird das Team der Abwasserbetriebe in Dortmund immer gebraucht, damit es in und unter der Stadt ordentlich läuft!

Viele Grüße
Georg

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Ein Kommentar zu Bei den Kanalarbeitern…

  1. Frank sagt:

    Schöne Reportage, sowas gefällt mir!

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